Foodhub – Solidarischer Supermarkt eröffnet in München
Der erste Mitmach-Supermarkt Münchens eröffnet in Obergiesing: Foodhub
Der erste Mitmach-Supermarkt Münchens eröffnet in Obergiesing: Foodhub

Foodhub – Solidarischer Supermarkt eröffnet in München

Mit Foodhub eröffnet im Sommer der erste solidarische Mitmach-Supermarkt in München. Ein spannendes Projekt mit dem Ziel, hochwertige Lebensmittel für jedermann anzubieten.

Interview mit Imkerin und Mitbegründerin Kristin Mansmann

München — Eine riesige Birne, eine knallrote Erdbeere und wuchtige grüne Bohnen. Das bunt angemalte Schaufenster zwingt fast dazu, stehen zu bleiben und genauer hinzusehen. In der Deisenhofener Straße in Obergiesing eröffnet im Sommer ein Geschäft der besonderen Art: ein genossenschaftlicher Mitmach-Supermarkt. In Südkorea und den USA gibt es dieses Konzept schon lange, nun erreicht es auch uns.

300 Quadratmeter Verkaufsfläche und ein Vollsortiment-Angebot erwartet die Mitglieder der Genossenschaft. Produkte, die in der Region verfügbar sind, werden direkt von den Landwirten bezogen. Getragen wird das Projekt von den Mitgliedern selbst. Jeder verpflichtet sich, drei Stunden Arbeit im Monat zu leisten.

Das Ziel der Genossenschaft: Hochwertige Lebensmittel für jedermann zu einem bezahlbaren Preis. Und gleichzeitig eine anständige Bezahlung für die Bauern. Kristin Mansmann, Bioland-Imkerin und Mitbegründerin der Kooperative, erzählte mir  im Interview von dem Direktvermarktungs-Projekt.

Frau Mansmann, wie ist Foodhub zustande gekommen?

Kristin Mansmann:  Vor zwei Jahren ist in Bayern erfolgreich für das Volksbegehren Rettet die Bienen abgestimmt worden.  Im Zuge des Volksbegehrens ist dieses Projekt entstanden. Die Idee dahinter war, dass wir nicht einfach nur von den Landwirten verlangen können, dass sie sich an Auflagen halten, sondern als Verbraucher genauso in der Verantwortung sind.

Also haben Sie eine Genossenschaft gegründet?

Zuerst haben wir einen Verein gegründet – als Einkaufsgemeinschaft haben wir uns zusammen getan und beziehen Produkte von Betrieben aus der Umgebung. Mitte Januar haben wir dann die Genossenschaft gegründet, eingetragen ist sie jedoch noch nicht.

Wie viele Mitglieder hat die Genossenschaft im Moment?

Aktuell sind es genau 222 Mitglieder – eine Schnapszahl …(lacht)

Wie viele Mitglieder brauchen Sie, damit sich der Supermarkt trägt?

Für den Anfang wären 800 Mitglieder gut. Ich bin zuversichtlich, dass wir das bald hinkriegen. Wer mitmachen möchte, kauft sich mit mindestens fünf Anteilen á 36 Euro in die Genossenschaft ein, das heißt er zahlt 180 Euro. Dann wird noch die Vereinsmitgliedschaft für zehn Euro im Jahr fällig. Wir brauchen den Verein noch, bis die Genossenschaft eingetragen ist.  Dafür kann man schon jetzt leckere Lebensmittel aus der Umgebung beziehen. Als Mitglied kann ich dann jederzeit in dem Supermarkt einkaufen.

Etwas Einsatz müssen die Mitglieder aber auch leisten.

Richtig. Jedes Mitglied leistet drei Stunden Arbeit im Monat. Man kann die Stunden auch zusammen nehmen und eine Weile intensiv mitarbeiten, um dann den Rest des Jahres frei zu haben. Das ist sehr flexibel.

Hatten die zündende Idee (v.l.): Gründer Karl Schweisfurth, Kristin Mansmann und Quentin Orain
Hatten die zündende Idee (v.l.): Gründer Karl Schweisfurth, Kristin Mansmann und Quentin Orain

Was sind die Ziele von Foodhub?

Wir möchten jedem ermöglichen, hochwertige und gesunde Lebensmittel zu kaufen. Außerdem wollen wir, dass die Landwirte anständig bezahlt werden und nachhaltig wirtschaften können. Verbraucher und Landwirte sollen sich aktiv austauschen und zusammenarbeiten. Wir alle tun uns zusammen, um ein eigenes Vermarktungskonzept zu entwickeln. Dazu gehört auch, dass die Preise transparent sind.

Was bedeutet das?

Wir erheben grundsätzlich für die Unkosten wie Transport und Ladenmiete 30 Prozent Aufschlag auf den Einkaufspreis. Jedes Mitglied weiß so, wie viel die einzelnen Produkte gekostet haben und was beim Produzenten ankommt. Bei den Supermarkt-Ketten sind viel höhere Aufschläge üblich. Wir können daher hochwertige Lebensmittel relativ günstig anbieten. Wenn die Mitgliederzahl steigt, kann der Aufschlag noch reduziert werden.

180 Euro, um Mitglied zu werden –  das ist nicht gerade wenig. Wie kann sich das eine Familie mit geringem Einkommen leisten?

Genau deshalb haben wir ein solidarisches Konzept entwickelt. Wenn das Einkommen einer Familie eine gewisse Grenze unterschreitet, dann reicht ein Anteil á 36 Euro, um Mitglied zu werden. Andere Mitglieder zahlen dafür freiwillig mehr. So gleicht sich das wieder aus.

Jeder ist also willkommen?

Absolut, genau das ist unser Ziel, dass Mitglieder aus verschiedensten Bereichen der Gesellschaft zusammenfinden. Es geht darum, dass eine bunte, durchgemischte Community wächst.

Wenn der Supermarkt ein Vollsortiment anbietet, können unmöglich alle Lebensmittel aus der Region sein. Woher stammen die Artikel, die in der Umgebung nicht erhältlich sind?

Das ist richtig, einige Produkte können wir nicht regional beziehen. In Bayern Ananas zu kaufen wird eher schwierig. Uns ist es wichtig, dass man alles in unserem Supermarkt finden kann, was man zum täglichen Leben braucht. Um das Sortiment zu vervollständigen, arbeiten wir mit einem Bio-Großhandel zusammen. 

Werden es ausschließlich Bio-Produkte sein?

Wichtig ist, dass die Produkte ökologisch nachhaltig produziert sind, es müssen aber nicht alle Landwirte das Biozertifikat haben, von denen wir Produkte beziehen. Einige befinden sich vielleicht gerade in der Umstellungsphase und dürfen ihre Produkte noch nicht Bio nennen, für andere lohnt sich die Zertifizierung nicht, weil sie nur im Nebenerwerb produzieren. Auch solche Produkte werden wir anbieten. Am Ende entscheidet aber die Gemeinschaft darüber, was ins Sortiment kommt. Es ist eben ein Mitmach-Supermarkt und die Verbraucher sind aktiv beteiligt.

Nähere Informationen zu dem Projekt findet man auf der Website www.foodhub-muenchen.de

Veröffentlicht in: Abendzeitung, 30. März 2021

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Von
Conie Morarescu
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